Annina Arter

«The Wind in the Willows»
Vernissage: Mi. 7. Dezember | 18–20 Uhr
8. Dezember 2022 bis 19. Januar 2023

Mit der Rauminstallation «The Wind in the Willows» von Annina Arter (*1987 in Kathmandu, lebt und arbeitet in Zürich) eröffnet der Kunstraum Satellit die letzte Ausstellung in diesem Jahr. Die gelernte Textildesignerin hegt eine hohe Sensibilität für Farbe, Material und Muster, womit sie collagierte Erzählungen kreiert. Es entstehen farbenfrohe Wimmelbilder, in denen sich Natur und Mensch gegenübertreten und Realität und Fiktion ineinanderfliessen. Immer wieder schafft es Annina Arter dabei mittels der Gestaltung von künstlichen Welten, Räume zu öffnen und einzigartige Stimmungen zu generieren.

Zu entdecken gibt es einiges: Die Vielfalt der botanischen Elemente auf der Tapeten-Installation im Kunstraum Satellit ist immens. Sie suggerieren eine verspielte Welt, worin sich Tiere tummeln und Pflanzen gedeihen. Es ist eine collagierte Erzählung, welche Annina Arter sowohl mit digitalen wie analogen Zeichnungen zusammenstellt. Die unterschiedlichen Sujets findet sie in botanischen Illustrationen aus naturhistorischen Archiven, die sie sammelt, verfremdet und neu zusammensetzt. Die Künstlerin lehnt sich dabei an die Tradition der Panorama-Tapeten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – eine Erscheinung, die zeitgleich zum Panorama-Boom existierte, wovon auch das älteste erhaltene Rundbild von Marquard Wocher zeugt, welches im Thun-Panorama beheimatet ist.

Durch die bewusste Über- und Aneinanderreihung unterschiedlicher Motive lässt Annina Arter weiter eine unerwartete Tiefe und gleichzeitige Lebendigkeit entstehen. Zusätzlich verstärkt wird der Effekt im Kunstraum Satellit, indem die Künstlerin mit dem Anbringen zweier Ebenen eine Bühnensituation kreiert. Während im hinteren Teil ein Schlossgarten auf Tapetenvlies gezeigt wird, erscheinen auf der vorderen Ebene architektonische Gebilde in Form von raumhohen Torbögen wie Durchgangstore zu einem ersehnten Ort. So mögen die Passant*innen vor dem Satellit in eine durch und durch magischen Gartenanlage eintauchen.

Annina Arters verspielte Installation verweist auch auf den Akt der Ästhetisierung von Natur. Die Tapeten wecken Assoziationen zu künstlich angelegten Gärten, zu menschgemachten Ordnungsprinzipien und dem Bedürfnis der wissenschaftlichen Erfassung einzelner pflanzlicher Elemente. Die zeitgleiche Nähe zum urbanen Raum mit dem verkehrsreichen Guisan-Kreisel mag somit auch eine Auseinandersetzung mit künstlichen und natürlichen Räumen anzustossen.

Annina Arter (*1987 in Kathmandu, lebt und arbeitet in Zürich) ist Textildesignerin und entwirft Printdesigns für Mode, Interieur und Architektur. Nach ihrem Textilstudium an der Hochschule in Luzern vertiefte sie ihre zeichnerischen Kompetenzen im Bereich Botanische Illustration an der ZHAW. Immer wieder finden sich in ihrem kreativen Schaffen Anknüpfungspunkte zum Ausstellungs- und Kunstwesen. So hat sie u.a. in der Kunsthalle St. Gallen die Wände für die Einzelausstellung von Sylvia Sleigh (2012) als Reaktion auf deren Werke hin tapeziert. In der Stadt Bern gestaltete sie 2021 die Baufassade des Kaiserhauses sowie im Rahmen eines Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projektes ein „Drachensegel“ auf der Goumoëns-Wiese. In ihren Collagen kombiniert sie gezeichnete Muster mit digitalen Elementen und kreiert damit fantasievolle Narrationen.  

www.anninaarter.com

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